Der Druck, Künstliche Intelligenz (KI) im Betrieb einzusetzen, wächst. Damit wachsen auch die Fragen: Wessen Infrastruktur nutzen wir da eigentlich? Wo landen unsere Daten? Und welche Abhängigkeiten entstehen, die wir in einem Jahr bereuen?
Ein Mitglied aus unseren eigenen Reihen hat dazu eine Antwort gefunden: Die Berliner Suchmaschine Ecosia, aktiv im Netzwerk Gemeinwohl-Ökonommie Unternehmen Berlin Brandenburg e.V. (GWU.network), hat ihre KI-Angebote konsequent auf europäische Infrastruktur umgestellt. Das Ergebnis ist kein Marketingversprechen, sondern eine nachvollziehbare technologische Entscheidung, die zeigt, was möglich ist.
Warum KI eine Gemeinwohlfrage ist
KI-Systeme sind nicht neutral. Wer sie im Betrieb einführt, entscheidet gleichzeitig darüber, welche Geschäftsmodelle mit dem IT-Budget unterstützt werden, wo sensible Unternehmensdaten verarbeitet werden und welche Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern entstehen. Das ist keine abstrakte Debatte, es ist eine Frage, die direkt in die GWÖ-Matrix greift, in die Felder B3, D1 und E2.
Was Ecosia konkret gemacht hat
Ecosia hat seine KI-Suche auf den europäischen Anbieter Mistral AI umgestellt. Damit unterliegt die gesamte Datenverarbeitung der DSGVO. Suchanfragen und Unternehmensdaten werden nicht für Werbeprofile Dritter genutzt.
Gleichzeitig bleibt Ecosia seiner Eigentumsstruktur treu: 100 Prozent der Gewinne fließen in Klimaschutzprojekte. Eigene Solaranlagen produzieren mehr als doppelt so viel Energie, wie der Betrieb inklusive KI-Anfragen verbraucht. Das ist kein Zufall, sondern Strukturprinzip.
Was das für uns als Netzwerk bedeutet
Die verfügbaren Alternativen sind das eine. Die praktische Frage im Arbeitsalltag ist das andere. Im GWU.network beobachten wir, dass es in vielen Betrieben weniger an Alternativen fehlt als an Orientierung: Wie setzen wir KI-Tools ein, effizient, datenschutzkonform und im Einklang mit unseren Werten?
Ohne dieses Wissen entstehen zwei Risiken: Entweder werden Potenziale aus Unsicherheit gar nicht genutzt. Oder Mitarbeitende greifen im Alltag zu US-Diensten, ohne dass es jemand bemerkt, mit Daten, die nicht unter die DSGVO fallen. Beides ist keine gute Ausgangslage.
Das Netzwerk kann hier einen echten Beitrag leisten: das Praxiswissen von Betrieben wie Ecosia aufgreifen und gemeinsam in konkrete Schritte übersetzen. Drei Fragen, die wir dabei stellen wollen:
- Wie integrieren wir europäische und offene KI-Infrastruktur in unsere Betriebe, und wer hat damit bereits Erfahrung?
- Wie befähigen wir unsere Teams, KI kompetent und datenschutzkonform zu nutzen?
- Welche Möglichkeiten entstehen, wenn wir KI-Infrastruktur im Verbund entwickeln und betreiben, statt jeder für sich?
Wo wir das vertiefen
Das Thema Umgang mit KI und auch digitaler Souveränität gen werden wir in den kommenden Monat im Netzwerk weiter aufgreifen, im Mitglieder-Newsletter und als Schwerpunkt auf der GWU-Unternehmerkonferenz am Montag, 7. September 2026 in Berlin.