Zukunft gestalten bedeutet, den Wandel als Chance für mehr Lebensqualität, Gemeinschaft und nachhaltigen Erfolg zu begreifen. Doch wie soll dieser sozial-ökologische Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft konkret aussehen? Am besten gelingt er, wenn wir inspirierende Bilder vor Augen haben, für die es sich loszugehen lohnt. Genau hier setzt ein faszinierendes Kooperationsprojekt in unserer Region an: Unser GWU-Netzwerkmitglied, die Thinkfarm Eberswalde, hat gemeinsam mit dem gemeinnützigen Transformationshub und Reallabor Reinventing Society und zahlreichen lokalen Akteurinnen und Akteuren eine mutige, bildhafte Vision für das Eberswalde im Jahr 2045 entwickelt.
Als Netzwerk Gemeinwohl-Ökonomie Unternehmen Berlin-Brandenburg (GWU) feiert und unterstützt unser Netzwerk genau solche Initiativen. Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn wir das Wohl von Mensch und Umwelt konsequent in den Mittelpunkt der regionalen Entwicklung und des nachhaltigen Wirtschaftens stellen.
Was ist eine Realutopie?
Das Besondere an dem entstandenen Zukunftsbild (mit konkretem Blick auf die Breite Straße, das Museum und das Altstadt Carrée in Eberswalde) ist, dass es keine unrealistische Träumerei darstellt. Es ist eine sogenannte Realutopie: Ein wissenschaftlich und praktisch fundiertes Zukunftsbild, das auf bereits existierenden, regenerativen Lösungen aufbaut. Der unabhängige Transformationshub und Reallabor Reinventing Society macht solche Welten in Workshops und Seminaren erfahrbar. Sie nehmen der Nachhaltigkeitsdebatte die Schwere und ersetzen sie durch Vorfreude, unternehmerischen Mut und echte Tatkraft. Es wird sichtbar, wie eine gemeinsam entwickelte Zukunft aus heutigen Strukturen entstehen kann – konkret, greifbar und inspirierend.
Die Eckpfeiler der Vision „Eberswalde 2045“
- Lebendiger und autoarmer Stadtraum: Die Innenstadt gehört den Menschen. Der Fuß- und Radverkehr hat Vorrang, ein dichtes Wegenetz und ein perfekt organisierter ÖPNV machen den privaten Pkw überflüssig.
- Klimaresilienz & grüne Oasen: Fassaden- und Dachbegrünungen, entsiegelte Flächen und unzählige kleine Gärten kühlen die Stadt, verbessern das Mikroklima und fördern die Artenvielfalt. Die Energieversorgung läuft gemeinschaftlich und dezentral über Solar- und Kleinwindkraft.
- Die Schwärze im Mittelpunkt: Der kleine lokale Fluss, die Schwärze, wird wieder an die Oberfläche geholt und renaturiert. An ihren Ufern entstehen kleine Aufenthaltsorte am Wasser, Verweilplätze und sogar ein öffentliches Amphitheater als Raum für Kultur und Begegnung.
- Umnutzung statt Leerstand: Ungenutzte Flächen werden neu belebt. Die Rathauspassage wandelt sich in ein offenes Kulturzentrum mit Ateliers, Büros und einem Repair-Café. Bisher kahle, ungenutzte Dächer werden zu lebendigen Orten für Sport, Gastronomie und urbane Landwirtschaft.
- Anpassung an Extremwetter: Durch zusätzliche Verschattung und neue Wasserflächen ist die Stadt bestens auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet. Tiefgaragen fungieren nun zusätzlich als Hitzeschutzräume bei Extremtemperaturen
Neue Allianzen schmieden und den Wirkungskreis vergrößern
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Transformation in der Praxis funktioniert: Nämlich durch das Aufbrechen alter Silos und das Schmieden neuer (regionaler) Allianzen. Vorangetrieben von Reinventing Society und den lokalen Partnern Thinkfarm Eberswalde, cLab und Alnus e.V., wurde die Vision von einem breiten Netzwerk getragen.
Mit dabei waren unter anderem das Museum Eberswalde, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE), die Gemeinwohl Region Barnim, das Kanaltheater, sowie zukunftsorientierte Unternehmen und Organisationen wie die Finizio GmbH, die WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungs-GmbH, die Globus-Naturkost GmbH, der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V., die EWS Stadtsanierungsgesellschaft mbH, das Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Nord und die Stiftung WaldWelten. Auch die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses „Zukunftsrat Eberswalde“ flossen direkt mit ein.
Und jetzt die Frage an dich: Wenn du dein direktes unternehmerisches oder privates Umfeld im Jahr 2045 vor Augen hast – was dürfte auf deinem ganz persönlichen Zukunftsbild auf keinen Fall fehlen?