Impulse der Konferenz des Guten Wirtschaftens Berlin-Brandenburg 2026 | Teil 3
Am 7. September 2026 fand im frizzforum die Konferenz des Guten Wirtschaftens Berlin-Brandenburg statt. Den zweiten Impuls gab Dr. André Ullrich. Unter dem Titel „Digitalisierung und KI für gutes Wirtschaften“ stellte er eine Frage, die bei der Debatte über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz oft im Hintergrund bleibt: Wem gehört eigentlich die Infrastruktur, auf der diese Technologien laufen?
Denn hinter Cloud-Diensten, KI-Anwendungen und digitalen Plattformen stehen Rechenzentren. Sie speichern Daten, stellen Rechenleistung bereit und sind damit längst ein Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur. Wer sie betreibt und besitzt, hat Einfluss darauf, wie digitale Dienste genutzt und weiterentwickelt werden können.
Die Infrastruktur hinter der Digitalisierung
Rechenzentren sind für Ullrich deshalb nicht einfach technische Anlagen. Sie sind Teil einer Infrastruktur, an der sich wirtschaftliche und gesellschaftliche Machtverhältnisse zeigen.
Gleichzeitig haben sie konkrete ökologische Auswirkungen. Sie benötigen große Mengen an Energie und Ressourcen. Hinzu kommen die Folgen der Herstellung von Hardware und der Elektroschrott, der durch immer kürzere Technologiezyklen entsteht.
Auch wirtschaftlich stellt sich die Frage nach Abhängigkeiten. Immer weniger große Unternehmen betreiben einen wachsenden Teil der digitalen Infrastruktur. Für Unternehmen und Organisationen kann es bequem sein, Daten und Anwendungen bei großen Cloud-Anbietern zu betreiben. Gleichzeitig wird ein Wechsel schwieriger, je stärker die eigenen Prozesse in diese Systeme eingebunden sind.
Digitale Souveränität bedeutet für Ullrich deshalb mehr als Datensicherheit. Es geht um die Frage, wer über Speicher, Dienste und Daten bestimmen kann.
Wer trägt die Kosten?
Diese Frage wird besonders sichtbar, wenn neue Rechenzentren in Regionen entstehen.
Die Ansiedlung wird häufig mit Investitionen, Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Entwicklung verbunden. Gleichzeitig entstehen vor Ort erhebliche Anforderungen an Energie, Wasser und Infrastruktur. Ein Teil der Wertschöpfung fließt dagegen an Unternehmen, die international agieren.
Ullrich verweist in diesem Zusammenhang auf Brandenburg. Dort treffen Rechenzentren auf Regionen, in denen Wasser bereits eine begrenzte Ressource ist.
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wer trägt die Kosten einer digitalen Infrastruktur und wer entscheidet darüber, wie ihre wirtschaftlichen Erträge verteilt werden?
Von Beteiligung zu Mitbestimmung
Ullrich lenkt den Blick deshalb auf die Frage, wie digitale Infrastruktur organisiert werden könnte.
Bürgerinnen und Bürger können über neue Projekte informiert oder zu ihnen angehört werden. Sie können aber auch an Entscheidungen beteiligt werden. Noch weiter geht die Frage, ob diejenigen, die eine Infrastruktur nutzen und von ihr betroffen sind, auch über ihre Gestaltung und ihren Betrieb mitbestimmen können.
Damit verändert sich der Blick auf das Rechenzentrum. Es wäre nicht mehr nur eine technische Anlage, die ein Unternehmen irgendwo errichtet. Es könnte zu einer Infrastruktur werden, an der verschiedene Akteure gemeinsam beteiligt sind.
Die Idee gemeinschaftlicher Rechenzentren
Als eine mögliche Perspektive skizziert Ullrich gemeinschaftlich organisierte Rechenzentren. Dabei geht es nicht um ein fertiges Modell, sondern um die Frage, welche Prinzipien eine solche Infrastruktur erfüllen müsste.
Dazu gehören Gemeinwohlorientierung, Mitbestimmung, ökologische und soziale Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Tragfähigkeit und digitale Souveränität. Ebenso wichtig sind transparente Eigentums- und Governance-Strukturen.
Genossenschaftliche Modelle könnten dabei ein Ansatz sein: Diejenigen, die die Infrastruktur nutzen, werden zugleich zu ihren Miteigentümer und können über ihre Entwicklung mitentscheiden.
Für Unternehmensnetzwerke eröffnet das eine weitere Möglichkeit. Investitionen, technische Infrastruktur und Know-how könnten gemeinsam getragen und genutzt werden. Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern ließen sich reduzieren. Gleichzeitig könnte ein größerer Teil der Wertschöpfung in der Region bleiben.
Vom Impuls zur gemeinsamen Idee
An den Vortrag schloss ein Workshop an, in dem diese Überlegungen konkreter wurden. Gemeinsam mit den Teilnehmenden ging es um die Frage, wie ein Netzwerk-Rechenzentrum aussehen könnte, das wirtschaftlich tragfähig ist und zugleich Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und digitale Selbstbestimmung berücksichtigt.
Damit wurde aus einer abstrakten Frage eine sehr konkrete: Wie könnte eine digitale Infrastruktur aussehen, die nicht nur genutzt wird, sondern an der Menschen und Organisationen auch beteiligt sind?
Die Debatte über Digitalisierung und KI führt damit unmittelbar zu einer Frage, die weit über Technologie hinausgeht. Es geht um Infrastruktur, Macht und letztlich um Eigentum.