Impulse der Konferenz des Guten Wirtschaftens Berlin-Brandenburg 2026 | Teil 1
Am 7. September 2026 fand im frizzforum die Konferenz des Guten Wirtschaftens Berlin-Brandenburg statt. Den ersten Impuls gab Lino Zeddies von Reinventing Society. Sein Thema: „Kooperation und Vertrauen als Superkräfte“.
Zeddies beginnt mit einer Beobachtung, die zunächst wenig optimistisch klingt: Gesellschaftliche Transformation verläuft nicht einfach geradlinig nach oben. Mit Blick auf die Theory U von Otto Scharmer beschreibt er unsere Gesellschaft als gegenwärtig in einer Phase, in der das Alte nicht mehr trägt und Sicherheiten wegbrechen, während das Neue noch wenig sichtbar oder stabil aufgebaut ist.
„Den Tiefpunkt haben wir noch nicht erreicht.Spätherbst, Winter steht jetzt wahrscheinlich eher an.“
Gerade in solchen Phasen verändert sich auch die Art, wie Menschen und Organisationen miteinander umgehen.
Wenn es eng wird, kommt der Lone Wolf
Solange Ressourcen vorhanden sind und etwas wächst, fällt Kooperation leicht. Schwieriger wird es, wenn Geld knapp wird, Projekte wegbrechen oder Konkurrenz zunimmt. Dann übernimmt schnell der Modus des „Lone Wolf“: allein kämpfen, keine Schwäche zeigen, möglichst nicht abhängig von anderen werden.
Für Zeddies ist das ein Muster, gegen das wir uns bewusst entscheiden können. Denn Menschen sind Gruppenwesen. Sicherheit entsteht nicht nur durch individuelle Stärke.
„Die größte Sicherheit gibt uns eigentlich Gemeinschaft.“
Kooperation ist damit nicht bloß eine moralische Haltung. Sie kann ganz praktisch eine Quelle von Stabilität und Handlungsfähigkeit sein.
Vertrauen entsteht zwischen Menschen
Damit Kooperation funktioniert, braucht es zunächst Vertrauen. Nicht als abstrakten Wert und auch nicht nur als Regel innerhalb einer Organisation, sondern zwischen Menschen.
Zeddies beschreibt Vertrauen als etwas, das entstehen kann, wenn Menschen einander wirklich wahrnehmen: wenn sie Purpose, Vision und gemeinsame Ziele erkennen und spüren, dass sie in dieselbe Richtung wollen.
Aus solchen Beziehungen können Formen der Zusammenarbeit entstehen, die weit über formale Kooperationen hinausgehen. Zeddies erzählt von Situationen, in denen Menschen sich innerhalb kurzer Zeit so stark vertrauten, dass sie einander Räume, Ressourcen oder ganze Projekte anvertrauten.
Nicht allein gegen das System
Diese persönliche Ebene verbindet Zeddies mit einer größeren Frage: Wie können sich Organisationen so miteinander verbinden, dass sie nicht als einzelne Akteure einem übermächtigen System gegenüberstehen?
Seine Antwort ist das Denken in Ökosystemen.
„Nicht vor dem System zu flüchten, das uns als kleine einzelne Fische schnell frisst. Wenn wir zusammenstehen und Ökosysteme bauen, dann können wir viel, viel stärker sein und sind dem System viel weniger ausgeliefert.“
Es geht also nicht darum, das bestehende System alleine zu bekämpfen oder sich ihm vollständig zu entziehen. Es geht darum, Verbindungen und Strukturen aufzubauen, die gemeinsam widerstandsfähiger sind.
Ein Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume
Als Bild dafür dient Zeddies der Wald. Bäume stehen dort nicht einfach nebeneinander. Über Wurzeln und Pilzgeflechte sind sie miteinander verbunden, tauschen Ressourcen aus und reagieren gemeinsam auf Veränderungen als lebendiges und resilientes Ökosystem.
Das einzelne Unternehmen wäre in diesem Bild ein Baum. Das Netzwerk bildet das Geflecht dazwischen.
Genau darin sieht Zeddies auch eine mögliche Rolle des GWU-Netzwerks: ein Geflecht, das Unternehmen miteinander verbindet, gegenseitige Unterstützung ermöglicht, Wissen weitergibt und dafür sorgt, dass nicht jeder Baum allein wachsen muss.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie schaffen wir Wirtschafts-Ökosysteme, die Ressourcen teilen, sich gegenseitig stärken und dadurch mehr ermöglichen als einzelne Akteure für sich allein?
Die Präsentationsfolien zum Impuls von Lino Zeddies stehen in Kürze zum Nachlesen zur Verfügung.
Teil 2 der Reihe widmet sich gemeinwohlorientierten Datencentern. Im dritten Teil geht es um Eigentumsstrukturen und die Frage, wem Wirtschaft eigentlich gehört.