Auf Augen­höhe mit allen Betei­ligten der Liefer­kette agieren? Echte Mitent­schei­dung bei Arbeits­ver­trägen oder gar der Wahl von Führungs­kräften ermög­li­chen? Soli­da­rität mit der Konkur­renz leben und Gewinne für das Gemein­wohl einsetzen? Was nach Utopie klingt, zeigen etablierte Unter­nehmen Tag für Tag in der Praxis.

Fünf Jahre nach Erscheinen der ersten Publi­ka­tion hat das bundes­weite Redak­ti­ons­team der Gemein­wohl-Ökonomie Deutsch­land e. V. im Juni 2026 eine voll­ständig aktua­li­sierte und erwei­terte Fassung der Broschüre „Good Prac­tices gemein­wohl-bilan­zierter Unter­nehmen nach Matrix­themen“ veröf­fent­licht. Wir nehmen diese Neuerschei­nung zum Anlass, um die gesam­melten Beispiele und insbe­son­dere die Impulse für unsere Region Berlin-Bran­den­burg vorzustellen.

In der Neuauf­lage sind 13 Praxis­bei­spiele neu hinzu­ge­kommen, während sieben bestehende Beiträge grund­le­gend über­ar­beitet und aktua­li­siert wurden. Die Reihe zeigt exem­pla­risch Betriebe, die lang­fristig mit der Gemein­wohl-Bilanz arbeiten und sie gezielt als stra­te­gi­sches Navi­ga­ti­ons­system für die eigene Trans­for­ma­tion nutzen.

Drei Ebenen: Von der Orientierung zur praktischen Anwendung

Die Publi­ka­tion verbindet drei Dimen­sionen: Das theo­re­ti­sche Modell der Gemein­wohl-Ökonomie, die syste­ma­ti­sche Anwen­dung der Bilanz und die jahre­lange Erfah­rung der Praktiker*innen.

Die Beispiele machen deut­lich, dass gemein­wohl­ori­en­tiertes Wirt­schaften in Betrieben machbar und ökono­misch stabil umsetzbar ist. Die Broschüre zeigt, wie in einer komplexen Wirt­schafts­welt erfin­de­risch gehan­delt werden kann, um unter­neh­me­ri­sche Akti­vi­täten in einer sinn­vollen Balance mit Gesell­schaft und Natur zu halten. Wie breit gefä­chert diese Ansätze in Deutsch­land sind, verdeut­licht die Auswahl der Bran­chen und Strukturen:

  • Etablierte Marken & Pioniere: Betriebe wie der Bio-Kräu­ter­spe­zia­list SONNENTOR mit seinen fairen „Direct Trade“-Partnerschaften oder der Biosaf­ther­steller Voelkel, der konse­quent in Verant­wor­tungs­ei­gentum agiert und das poli­ti­sche Enga­ge­ment seiner Beleg­schaft unterstützt.

  • Modernes Arbeiten & IT: Das IT-Unter­nehmen Fracht­werk (mit Büros u. a. in Berlin), das als „New-Work-Orga­ni­sa­tion“ ein faires „New-Pay“-Modell etabliert hat und Urlaub nach eigenem Ermessen ermöglicht.

  • Medien & Handel: Der voll­ständig in Mitar­bei­ter­hand befind­liche bio verlag sowie der Lebens­mit­tel­pio­nier follow­food, dessen eigene Impact-Abtei­lung Trans­pa­renz und Rück­ver­folg­bar­keit als Instru­ment für die Zusam­men­ar­beit nutzt.

Blick auf unsere Region: Mitglieder und Praxisbeispiele aus Berlin-Brandenburg

In der bundes­weiten Über­sicht ist unsere Region mit drei Beispielen vertreten. Dies verdeut­licht eindrucks­voll, wie die GWÖ-Matrix im hiesigen Wirt­schafts- und Förder­ge­biet aktiv umge­setzt wird – darunter zwei feste Mitglieds­un­ter­nehmen unseres GWU-Netz­werks sowie ein weiterer starker Akteur aus Brandenburg:

  1. Märki­sches Land­brot GmbH (Thema: Soli­da­rität und Gerech­tig­keit in der Zulie­fer­kette) – Mitglieds­un­ter­nehmen Die Berliner Tradi­ti­ons­bä­ckerei sichert bereits seit 1992 durch ihren „Runden Tisch Getreide“ faire Part­ner­schaften. Preise, Mengen und Quali­täten werden gemeinsam im Konsens fest­ge­legt. Diese Zusam­men­ar­beit schützt den Betrieb und die land­wirt­schaft­li­chen Höfe vor vola­tilen Markt­schwan­kungen und sichert die regio­nale Exis­tenz – auch in heraus­for­dernden Zeiten.

  2. Ökofrost GmbH (Thema: Kundin­nen­mit­wir­kung und Produkt­trans­pa­renz) – Mitglieds­un­ter­nehmen Der Bio-Tief­kühl­pio­nier setzt mit der Trans­pa­renz­in­itia­tive „Das Ganze verstehen“ auf Nach­voll­zieh­bar­keit. Kundinnen können alle Produk­ti­ons­pro­zesse einsehen – inklu­sive sozialer Aspekte und poten­zi­eller Schat­ten­seiten wie Trans­port­wege. Über aktive Bera­tung und Feed­back werden Kundinnen zudem direkt in die Entwick­lung neuer Produkte einbezogen.

  3. Landgut Stober (Thema: Ökolo­gi­sche Auswir­kung von Produkten & Dienst­leis­tungen) Das im Bran­den­burger Förder­ge­biet (Nauen) ansäs­sige Landgut zeigt exem­pla­risch, dass Nach­hal­tig­keit im Hotel- und Veran­stal­tungs­be­trieb wirt­schaft­lich sinn­voll ist. Ein struk­tu­riertes Konzept mit eigener Ener­gie­er­zeu­gung, durch­dachtem Wasser­ma­nage­ment und lang­le­bigen Prozessen senkt dauer­haft die Betriebs­kosten und dient als konkreter Ansatz für die Kreis­lauf­wirt­schaft in der Region.

Voneinander lernen auf der Unternehmerkonferenz

Die Good Prac­tices machen deut­lich, dass die Gemein­wohl-Bilanz weit mehr ist als ein reiner Bericht. Sie dient als Werk­zeug für die unter­neh­me­ri­sche Weiter­ent­wick­lung und das gemein­same Lernen. Gute Ideen verbreiten sich schneller, wenn sie geteilt werden.

Genau diesen Raum für den prak­ti­schen Austausch, Koope­ra­tionen und neue Perspek­tiven schaffen wir auf unserer kommenden Unter­neh­mer­kon­fe­renz am 07. September 2026 in Berlin. Wer die Ansätze der Region und des bundes­weiten Netz­werks live erleben und für das eigene Unter­nehmen prüfen möchte, kann den Termin für die eigene Planung nutzen.

Die neue Good-Prac­tice-Samm­lung bietet konkrete Blau­pausen für alle, die ihren Betrieb zukunfts­fähig und werte­ori­en­tiert aufstellen wollen. Die Broschüre steht ab sofort digital zur Verfü­gung oder kann für Regio­nal­gruppen und Unter­nehmen als gedruckte Version erworben werden.

Broschüre lesen & herun­ter­laden (Heraus­geber: Gemein­wohl-Ökonomie Deutsch­land e.V.):

Möchten Sie Ihr Unter­nehmen eben­falls gemein­wohl­ori­en­tiert weiter­ent­wi­ckeln oder Teil unseres regio­nalen Netz­werks werden? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.